Integrationskonzept der Grundschule Oldendorf

(Stand 05.2013)

1.Rechtlicher Rahmen und Pädagogisches Verständnis von Integration

Schulische Integration bedeutet das Eingliedern aller Kinder in einen Klassenverband. Besonders im Grundschulalter ist es von besonderer Bedeutung, dass Kinder in ihrem Wohnbereich zusammen bleiben und gemeinsam heranwachsen und lernen können – unabhängig von Unterschieden in ihrer individuellen Lern- und Leistungsfähigkeit und ihrer körperlichen, psychischen und geistigen Vitalität. Das gemeinsame Miteinander von Kindern mit und ohne Behinderung bringt für beide Gruppen vielfältige Möglichkeiten des kognitiven und sozialen Lernens.

1.1 Zielsetzung der schulischen Integration

Der gemeinsame Unterricht verfolgt folgende Ziele:

  • Schülerinnen und Schüler können ihren Mitschülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf durch positive Vorbilder in der Gruppe Lernanreize geben und sie beim Aufbau sprachlicher und sozialer Fähigkeiten anregen.
  • Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf sollen in dem Lernumfeld der Grundschule lernen, ein positives Selbstkonzept zu entwickeln und abzusichern.
  • Durch den täglichen Umgang von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf sollen alle soziale Kompetenzen erwerben.
  • Die schulische Förderung soll in ihrem sozialen Umfeld, in der heimischen Grundschule vollzogen werden, damit sich auch nachmittags Freundschaften entwickeln können!
  • Der persönliche Umgang miteinander in konkreten alltäglichen Anlässen soll alle Schülerinnen und Schüler befähigen, andere in ihrem Anderssein zu erleben und zu akzeptieren.

1.2 Rechtlicher Rahmen

Integration bedeutet Öffnung und Veränderung von Schule.

Laut § 4 des NSchG vom 17.12.2004 besteht ein Recht auf Integration: „ Schülerinnen und Schüler, die einer sonderpädagogischen Unterstützung bedürfen, sollen an allen Schulen gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülern unterrichtet werden, wenn auf diese Weise dem individuellen Unterstützungsbedarf der Schülerin und Schüler entsprochen werden kann und soweit es die organisatorischen, personellen und sächlichen Gegebenheiten erlauben.“

Mit der Einfügung des § 4 in das Schulgesetz hat der niedersächsische Gesetzgeber den Vorrang der integrativen Erziehung von Schülerinnen und Schülern gegenüber dem Besuch der Förderschule begründet.
So heißt es auch im allgemeinen Teil des Erlasses von 2 / 2005 zur Sonderpädagogischen Unterstützung unter 1.2 Stellung der sonderpädagogischen Unterstützung innerhalb der öffentlichen Schulen:
„Fördermaßnahmen stellen eine angemessene Lernbegleitung der Schülerin oder des Schülers dar."
Dies wird ergänzt unter 1.7 „Sonderpädagogische Unterstützung ist damit Aufgabe aller Schulen. Sie umfasst eine Vielfalt von Förderorten, vorbeugenden Maßnahmen und Formen gemeinsamer Erziehung und des gemeinsamen Unterrichts von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf mit anderen Kindern und Jugendlichen.“\\ Gemäß § 23 Niedersächsisches Schulgesetz können im 1. bis 10. Schuljahrgang der allgemeinbildenden Schulen Integrationsklassen eingerichtet werden. Die Einrichtung einer Integrationsklasse im 1. Jahrgang unterstützt und begleitet die Schülerinnen und Schüler durch möglichst frühzeitig einsetzende Hilfe.

2. Allgemeine Aspekte und Bereiche der Integration

2.1 Individuelle Förderung und Unterrichtsorganisation

Zukünftig sollen Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten, mit Sprachstörungen und mit Verhaltensauffälligkeiten in der Grundschule bleiben können und dort von den Grundschullehrkräften zusammen mit Förderschullehrkräften gefördert werden.
Die Schülerinnen und Schüler werden entweder zielgleich oder zieldifferent gefördert. Außerdem wird an den Grundschulen frühzeitig versucht, die Entstehung einer Lern-, Sprach- oder Verhaltensstörung zu erkennen sowie durch präventive Maßnahmen entgegenzuwirken.
Aufgabe der Förderschullehrkräfte ist es also, die Grundschulen bei der präventiven und integrativen Unterstützung wirkungsvoll zu beraten.
Um eine pädagogisch sinnvolle auf das einzelne Kind bezogene Förderung zu gewährleisten, sind im Rahmen des Unterrichts nach Absprache zwischen Grund- und Förderschullehrkraft verschiedene Organisationsformen denkbar:

  • Förderung im Klassenverband im Rahmen eines binnendifferenzierten Unterrichts
  • Förderung in Kleingruppen (klassen- oder jahrgangsübergreifend)
  • Einzelförderung



Die sonderpädagogische Arbeit umfasst folgende Bereiche:

  • Unterrichtung und Erziehung von Schülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf
  • begleitende Förderdiagnostik
  • Erarbeitung von individuellen Förderplänen
  • Beratung der Grundschullehrkräfte und Eltern
  • Initiierung von außerschulischen Fördermaßnahmen


Der Einsatz der Sonderschullehrkräfte bezieht sich daher nicht nur auf die Kinder mit festgestelltem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf, sondern ist durch Diagnostik, Erstellung von Förderplänen, Fördermaßnahmen und Beratung auch präventiv ausgerichtet.

2.2 Organisationsstruktur sonderpädergogischer Unterstützung an Schulen laut dem Regionalen Integrationskonzeptes der Stadt Melle (RIK)

Integration kann an den Schulen der Stadt Melle auf sehr vielfältige Weise umgesetzt werden. Die folgenden Organisationsstrukturen sind dafür vorgesehen und werden an den Schulen ggf. eingerichtet oder ausgebaut.

Sonderpädagogische Grundversorgung (GV)

Bei der GV werden Schüler mit Problemen beim Lernen, im emotionalen und sozialen Bereich und in der Sprache sowie beim Sprechen, in der Grundschule dauerhaft Stunden für die sonderpädagogische Unterstützung zur Verfügung gestellt. Diese Stunden werden je nach Bedarf an die Grundschulklassen der Stadt Melle verteilt.

Integrationsklassen

In einer Integrationsklasse werden Kinder mit und ohne sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf innerhalb einer Klasse an einer Grundschule oder an anderen Regelschule gemeinsam Unterrichtet. Die Kinder haben dabei den Unterstützungsschwerpunkt geistige Entwicklung oder körperlich motorische Entwicklung.

Sprachheilklassen

Eine Sprachheilklasse ist eine Klasse mit Kindern bei denen eine erhebliche Beeinträchtigung im Bereich der Sprache und des Sprechens besteht. Diese Kinder haben einen Ausgewiesenen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf. Sie werden in einer gesonderten Klasse an einer Grundschule, nach den Richtlinien der Grundschule unterrichtet.

Mobiler Dienst

Der Mobile Dienst soll eine schnelle Präsenz sonderpädagogischer Hilfen an den Regelschulen ermöglichen. Aufgabenbereiche sind die Förderung, Beratung und Diagnostik in den Unterstützungsschwerpunkten Lernen, Sprache und Emotional-Soziale Entwicklung durch einen Förderschullehrer.

Kooperationsklassen

Eine Kooperationsklasse soll die Integration von Schülern mit dem Unterstützungsschwerpunkt geistige Entwicklung ermöglichen. Die Kooperationsklasse ist dabei eine Klasse die organisatorisch der Förderschule angehört aber an einer Grundschule geführt wird.

2.3 Integrationsformen

Zielgleiche Integration:
Bei zielgleicher Integration werden alle Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet. So werden z. B. Schüler mit dem Unterstützungsschwerpunkt Hören, Sehen und Sprache sowie Soziale und Emotionale Entwicklung oder auch dem Unterstützungsschwerpunkt Körperlich und Motorische Entwicklung meistens zielgleich mit den Schülern ohne Förderbedarf unterrichtet. Dies setzt voraus, dass die Schule die Möglichkeit hat, den sogenannten „Nachteilsausgleich“ sicherzustellen. Konkret: besondere Sehhilfen (Lichtverhältnisse etc.) für Kinder mit Sehbeeinträchtigung, technische Hörhilfen (z. B. Induktionsschleifen für drahtlose Hörgeräte) für die Kinder mit Hörbeeinträchtigung.
In den Regelschulen können Schüler mit einer Behinderung durch den „mobilen Dienst“ Hilfestellung durch einen Förderschullehrer erhalten, wenn der entsprechende Landeshaushalt hierfür entsprechende Stellen bzw. Stellenanteile vorsieht. Schüler, die zielgleich integriert werden sollen, haben keinen Anspruch auf eine Integrationsklasse. Ausschlaggebend dafür, ob die Schüler „integriert“ werden oder doch zu einer speziellen Förderschule gehen sollen, sollte nach pädagogischen Vorstellungen der Wunsch der Eltern sein, nachdem sie ausführlich beraten worden sind.

Zieldifferente Integration:
Bei zieldifferenter Integration werden Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet. Der Unterricht findet an Regelschulen in Integrationsklassen statt. Sie müssen beantragt und genehmigt werden, bevor sie eingerichtet werden. In einer Integrationsklasse einer Grundschule arbeiten dann im Idealfall bei geringerer Schülerzahl ein Grundschullehrer und ein Förderschullehrer zusammen.

3. Regionale Voraussetzungen im Einzugsbereich der Grundschule Oldendorf

3.1 Die Grundschule Oldendorf und ihr Einzugsbereich

Die Grundschule Oldendorf besuchen im Schuljahr 2010/2011 75 Schüler/innen, die in 4 Klassen unterrichtet werden. Die Schülerzahl der Schule ist in der Regel nicht konstant und bewegt sich zwischen 66 und 78.
An der Schule arbeiten 5 Grundschullehrerinnen, 1 Förderschullehrerin, 2 pädagogische Mitarbeiterinnen und eine Integrationshelferin.
Die Grundschule Oldendorf hat eine kostenpflichtige Frühbetreuung von 7.30-8.00 Uhr und eine Nachmittagsbetreuung bis 15.30 Uhr, beides von Montag bis Freitag. Die Nachmittagsbetreuung findet im Rahmen des Meller Modells statt.
Schulträger der Grundschule ist die Stadt Melle.\\ Die Schule befindet sich im alten Ortskern Oldendorfs und wird von mehreren Neubausiedlungen umschlossen. Das Schuleinzugsgebiet ist insgesamt sehr gemischt und umfasst Siedlungen mit freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern, Siedlungen mit Reihen- und Mehrfamilienhäusern. Die Schuleinzugsbezirke wurden vom Schulträger festgelegt. Im Oldendorfer Ortsteil Westerhausen gibt es eine weitere Grundschule, die zweizügig ist.

3.2 Zu berücksichtigende Faktoren

Grundvoraussetzung dafür, dass die schulische Integration gelingt, ist, dass Lehrer, Eltern und Mitschüler Verständnis und Toleranz im Umgang miteinander entwickeln. Die Rahmenbedingungen müssen auf die individuellen Bedürfnisse aller Kinder zugeschnitten sein. Organisatorisch hat die Grundschule Oldendorf hier den Vorzug einer geringen Klassengröße von meist unter zwanzig Kindern. Da es notwendig ist je nach Behinderungsart des jeweiligen Kindes notwendige bauliche und räumliche Voraussetzungen zu schaffen, etwa durch den Bau eines Fahrstuhls oder einer Rampe für ein im Rollstuhl sitzendes Kind, muss geklärt sein, welcher Art der Behinderung das Gebäude gerecht werden kann. Die Anschaffung von behinderungsspezifischen Hilfsmittel, wie z. B. einem speziellen Computer für ein sehbehindertes Kind oder sonstigen Spiel-, Lern-, Förder- und Therapiematerialien in der Schule muss ebenfalls auf die Behinderung der Kinder abgestimmt werden.

4 Integration an der Grundschule Oldendorf

4.1 Chronik der integrativen Arbeit in Zahlen

Schuljahr 2010/2011
In diesem Schuljahr wurden 4 Kinder integrativ in unserer Schule beschult. Drei Kinder im Bereich Lernen und ein Kind im Bereich geistige Entwicklung. Eine Förderschullehrkraft begleitete mit 11 Stunden den Unterricht. Außerdem wurde ein Kind durch eine Integrationshelferin 17 Stunden in der Woche betreut.

Schuljahr 2011/2012
In diesem Schuljahr wurden 5 Kinder in 2 Klassen integrativ in unserer Schule beschult. Vier Kinder im Bereich Lernen und ein Kind im Bereich geistige Entwicklung. Die Kinder besuchten die 1. und 2. Klasse. Eine Förderschullehrkraft begleitete mit 13 Stunden den Unterricht. Außerdem wurden zwei Kinder mit 19 Stunden durch einen Integrationshelfer im Unterrichtsalltag unterstützt.

Schuljahr 2012/2013
In diesem Schuljahr wird die bisherige integrative Beschulung von Kindern mit Förderbedarf fortgesetzt. Die neue 1. Klasse wird, so wie die 3. Klasse, eine Integrationsklasse. In dieser werden Kinder mit unterschiedlichem Förderbedarf gemeinsam mit Kindern ohne Förderbedarf lernen. Es werden dann insgesamt 8 Kinder in 3 Klassen an unserer Schule integrativ beschult. Davon 3 Kinder mit Förderschwerpunkt Lernen und 4 Kinder mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und 1 Kind mit dem Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung. Die Schüler werden durch 2 Förderschullehrkräfte insgesamt 23-26 Stunden wöchentlich betreut und zudem durch 2 Integrationshelfer im Schulalltag begleitet werden.

Schuljahr 2013/2014
In diesem Schuljahr wird die bisherige integrative Beschulung von Kindern mit Förderbedarf fortgesetzt. Die 2. Klasse ist, sowie die 4. Klasse, eine Integrationsklasse. Es werden Kinder mit unterschiedlichem Förderbedarf gemeinsam mit Kindern ohne Förderbedarf lernen. Zurzeit insgesamt 8 Kinder in 3 Klassen an unserer Schule integrativ beschult. Davon 3 Kinder mit Förderschwerpunkt Lernen und 4 Kinder mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und 1 Kind mit dem Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung. Die Schüler werden durch 2 Förderschullehrkräfte insgesamt 23-26 Stunden wöchentlich betreut und zudem durch 2 Integrationshelfer im Schulalltag begleitet werden.

Schuljahr 2014/2015
In diesem Schuljahr wird die bisherige integrative und nun auch inklusive Beschulung von Kindern mit Förderbedarf fortgesetzt. In der neuen 1. Klasse wird ein Kind mit Unterstützungsbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung unterrichtet, in der 2. Klasse ein Kind mit Unterstützungsbedarf in der sozial-emotionalen Entwicklung. Die Klasse 3 bleibt weiterhin eine Integrationsklasse mit 2 Kindern, mit Unterstützungsbedarf in der geistigen Entwicklung, einem Kind mit Unterstützungsbedarf im Bereich Lernen und einem Kind mit Unterstützungsbedarf in der sozial-emotionalen Entwicklung. In der Klasse 4 befindet sich 1 Kind mit Unterstützungsbedarf im Bereich Lernen. Die Kinder mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf lernen gemeinsam mit den Kindern ohne Unterstützungsbedarf. Es werden dann insgesamt 7 Kinder in 4 Klassen an unserer Schule integrativ bzw. inklusiv beschult. Die Schüler werden durch eine Förderschullehrkraft mit insgesamt 15 Stunden sowie 10 Förderstunden von Grundschullehrkräften wöchentlich betreut und zudem durch 2 Integrationshelferinnen im Schulalltag begleitet.

4.2 Unsere Arbeit im RIK

Die Integrationsklasse

Eine Integrationsklasse besteht aus Kindern der Regelschule und aus Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf. Optimal ist es, wenn die Klassenstärke geringer als im Regelfall. Dies ist in Oldendorf durchgängig der Fall.

Die 3. Klasse ist eine Integrationsklasse mit 21 Schülern, davon 2 mit Unterstützungsschwerpunkt Lernen und 2 mit Unterstützungsschwerpunkt geistige Entwicklung. Die Klasse wird 14 Stunden durch eine Förderschullehrkraft begleitet. Ein Integrationshelfer begleitet zwei der Schüler im schulischen Alltag.

Die neue 1. Klasse ist eine Klasse mit insgesamt 14 Schülern, davon jeweils 2 Schüler mit dem Unterstützungsschwerpunkt geistige Entwicklung und einem Schüler mit dem Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung. Die Klasse wird 10 Stunden in der Woche durch einen Förderschullehrer begleitet. Zudem begleitet eine Integrationshilfe die Schüler im schulischen Alltag.

Die sonderpädagogische Grundversorgung

Seit dem 2. Halbjahr des Schuljahres 2011/12 unterstützt eine Förderschullehrkraft die heutigen 2. Klasse unserer Schule mit 2 Stunden in der Woche. Diese Stunden werden als sonderpädagogische Grundversorgung bezeichnet. Die 2 Stunden werden hauptsächlich dazu genutzt, einen Schüler mit Unterstützungsschwerpunkt Lernen im Unterricht zu begleiten, Förderung in kleinen Arbeitsgruppenzu ermöglichen und die anderen Schüler der Klasse bei Bedarf schnell unterstützen zu können. Auch zur Beratung der Grundschullehrer und Eltern soll die GV genutzt werden.

4.3 Inhaltliche Schwerpunkte des Unterrichts in unseren Integrationsklassen

Ein klarer Schwerpunkt der Arbeit in der 1. Klasse ist es, eine Klassengemeinschaft zu schaffen in der alle Schüler sich angenommen fühlen und nach ihren jeweiligen Stärken und Schwächen gefördert und gefordert werden können. Inhaltlich geht es daher um die Themen, Konfliktlösung, Aufstellung und Einhaltung von Klassenregeln, Arbeitsorganisation, Gemeinschaft, Freundschaft, Aufstellung eines Helfersystems, Respekt, Anerkennung und die Achtung des jeweils anderen unabhängig von individuellen Unterschieden. Diese Themen unterscheiden sich grundsätzlich zwar nicht von denen in anderen Klassen, erfordern aber eine deutlich Konsequentere und wiederholte Erarbeitung, um ein Klassenklima zu entwickeln in dem sich jeder angenommen fühlt. Abgesehen von diesen Themen unterscheiden sich die Inhalte zunächst nicht weiter voneinander. Für alle Kinder geht es darum Sprache zu entdecken, Lesen und Schreiben zu lernen, den Sinn hinter Zahlen zu erkennen und mit diesen umzugehen. Das Lerntempo muss dabei den Bedürfnissen aller Schüler angepasst werden.

4.4 Formen der Förderung für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Schulalltag

Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben ein hohes Bedürfnis an individueller Hilfe und handlungsorientierten Vorgehensweisen, um optimal lernen zu können. Daher wird darauf geachtet den Unterricht möglichst anschaulich zu gestalten. Zudem ist eine klare Unterrichtsstruktur nötig, um den Schülern einen Orientierungsrahmen zu bieten, in dem sie frei und sicher arbeiten können.
Formen der Förderung sind:
Offene Gesprächskreise, je nach Bedarf leistungshomogene bzw. leistungsheterogene Lerngruppen, Gruppenarbeit und Partnerarbeit, ein handlungsorientierter Unterricht, entdeckendes Lernen durch vielfältige Anschauungsmaterialien, gemeinsamer Unterricht von Grundschulehrkraft und Förderschullehrkraft, Abwechslung von offenen Unterrichtsformen wie zum Beispiel Freiarbeit, Lerntheken, Wochenplanarbeit hin zu stärker strukturierten Unterrichtsphasen in denen Fragen geklärt werden, Inhalte gemeinsam erarbeitet, Unterrichtsstrukturen aufgebaut, verdeutlicht und Unterrichtsinhalte festgehalten werden.
In Deutsch und Mathematik, werden Unterschiede zwischen den Kindern oftmals besonders schnell deutlich. Daher muss der Unterricht hier fast durchgängig zieldifferentes Lernen ermöglichen. Neben Unterrichtsstunden im Klassenverband werden daher in diesen beiden Fächern oft auch Fördergruppen gebildet. Innerhalb einer Schulwoche werden die Kinder mit Förderbedarf in der Klasse 3, mittlerweile etwa 8 Unterrichtstunden in der Kleingruppe gefördert. Dabei werden aber weiterhin gemeinsame Einheiten und Unterrichtseinstiege in den Alltag eingebaut. Daher gibt es in keinem Fach eine dauerhafte räumliche Trennung. Dies alles ermöglicht das Arbeiten orientiert an dem jeweiligem Lerntempo der Schüler sowie eine gezielte individuelle Förderung im Lesen, Schreiben, Zählen und Rechnen.
Wie sich der Unterricht in der neuen Integrationsklasse entwickeln wird ist noch nicht abzusehen. Grundsätzlich wird zunächst aber großer Wert darauf gelegt möglichst viele Unterrichtsstunden im Klassenverband zu verbringen. Erste räumlich getrennte Stunden in der Fördergruppe gab es in der 1. Integrationsklasse im Schuljahr 2010/2011 etwa nach dem 1. Schuljahresquartal.

4.5 Verwendete Materialien für Unterricht und Förderung

Die Materialien für den Unterricht von Kindern mit Förderbedarf, müssen besonderen Ansprüchen gerecht werden. So sollten sie besonders übersichtlich und gut strukturiert gestaltet sein. Sie sollten das Interesse der Schüler wecken und an die aktuelle Lebenswelt der Schüler anknüpfen. Dabei sollten nicht zu viele Aspekte auf einmal angesprochen werden, sondern die einzelnen Arbeitsschritte sinnvoll aufeinander aufbauen. Die Schüler sollen mit ihren Materialien handlungsorientiert umgehen können und ihren individuellen Möglichkeiten entsprechend lernen.

Für den Mathematikunterricht nutzen wir insbesondere die Lehrwerke:

  • Klick! Mathematik-Untertstufe, Cornelsen (Lehrwerk für die Förderschule Lernen)
  • Stark in Mathematik – Unterstufe, Schroedel (Lehrwerk für die Förderschule Lernen)
  • Zusätzliche Arbeitshefte z.B.: Meilensteine Mathe (Klett) und Verstehen und Trainieren (Klett)
  • verschiedenste Kopiervorlagen, Lernspiele und ähnliches…

Für den Deutschunterricht nutzen wir insbesondere die Lehrwerke:

  • Klick! Erstlesen, Cornelsen (Lehrwerk für die Förderschule Lernen)
  • ABC der Tiere - Förderausgabe (Mildenberger)
  • Zusätzliche Arbeitshefte z.B.: Lies mal! (Jandorf) und Rechtschreiben (Jandorf)
  • verschiedenste Kopiervorlagen Lernspiele und ähnliches…

Als Lehrbücher nutzen die Schüler mit Förderbedarf auch immer wieder die Lehrbücher der Regelschüler, um so das gemeinsame Lernen zu unterstützen. Dies ist jedoch nicht immer möglich und wird teilweise im Laufe der Schulzeit schwieriger. Unsere Schüler mit dem Unterstützungsschwerpunkt Lernen erhalten größtenteils die gleiche Auswahl an Lehrwerken. Das Zusatzmaterial unterscheidet sich jedoch teilweise stark voneinander.
Für Schüler mit dem Unterstützungsschwerpunkt geistige Entwicklung muss immer wieder individuell entschieden werden, ob ein Lehrwerk sinnvoll erscheint und wenn ja, welches dies ist.
Im Sachunterricht erhalten alle Schüler unserer Schule die gleichen Lehrwerke. Die Arbeitsweise, das zusätzliche Material und die Arbeitsblätter und Arbeitsaufträge werden individuell angepasst.

4.6 Entwicklungsbeobachtung und Leistungsbewertung

Da der Unterricht für Kinder mit Förderschwerpunkt Lernen und geistige Entwicklung zieldifferent zu dem der Kinder ohne Förderbedarf abläuft unterscheidet sich auch die Leistungsbewertung und Entwicklungsbeobachtung.

Schüler mit dem Unterstützungsschwerpunkt Lernen:
Schüler mit Unterstützungsschwerpunkt Lernen erhalten in den ersten 4 Schuljahren keine Noten sondern schriftliche Beschreibungen ihres Leistungsfortschrittes in ihren Zeugnissen.
Die Entwicklung jedes einzelnen Kindes wird im Unterricht durch Lernstandsanalysen und allgemeine Beobachtungen festgehalten. Da den Schülern ein eigenständiges Arbeiten ganz ohne Unterstützung in den ersten 2 Jahren meist noch besonders schwer fällt, werden Tests, Diktate und ähnliches zunächst nur vereinzelt durchgeführt.
Ab der 3. Klasse finden Leistungsbewertungen in Form von Tests, Diktaten, kleinen Vorträgen etc. immer regelmäßiger statt. Noten spielen dabei keine Rolle dies geschieht, um eine Überforderung zu vermeiden und den Schülern Zeit zu geben eine starke Arbeitshaltung und ein positives Verhältnis zum Lernen zu entwickeln.
Um den individuellen Bedürfnissen der Schüler gerecht zu werden, entwickeln die Förderschullehrer und die Grundschullehrer 2-mal im Schuljahr individuelle Förderpläne. Diese orientieren sich an den aktuellen Besonderheiten der Schüler und können sowohl fachliche Bereiche als auch Bereiche wie Motorik, Sprache, Wahrnehmung, Kommunikation oder auch das Arbeits- und Sozialverhalten betreffen. Der Förderplan beschreibt den nächsten nötigen Lernschritt des Schülers, in einem dieser Bereiche und zeigt Wege auf diesen zu erreichen.
Das Arbeits- und Sozialverhalten wird zudem auf einem zusätzlichen Bogen festgehalten und mit den Schülern besprochen, um die Einschätzungen für sie nachvollziehbar zu machen. Hier nutzen wir zwar für die Schüler mit und ohne Förderbedarf die gleichen Bögen, der Maßstab ist jedoch nicht der gleiche. So wird individuell geguckt, ob z.B. ein Schüler sich im Rahmen seiner Möglichkeiten an den Schulregeln orientieren kann. Der Bezugspunkt für die Bewertung ist somit nicht die Klassen- bzw. Altersstufe sondern der Schüler mit seinen individuellen Möglichkeiten selbst.

Schüler mit Unterstützungsschwerpunkt Geistige Entwicklung:
Schüler mit dem Unterstützungsschwerpunkt geistige Entwicklung sollen in allen Fächern nach ihrem eigenen Lerntempo unterrichtet werden. Eine Orientierung des Lernstoffes an den persönlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen ist unerlässlich. Leistungsüberprüfung findet daher nur in einem geringen Maß in Form von Tests, Diktaten usw. statt. Diese sind nämlich meist an einer bestimmten Lern- und Altersgruppe orientiert und daher oft nicht geeignet, um den individuellen Lernstand eines einzelnen Kindes genau festzuhalten. Auch die Struktur von solchen Tests ist oftmals für die Schüler nicht einsichtig. So halten viele Tests nicht fest, was der Schüler tatsächlich kann, sondern nur ob der Schüler mit dem Testverfahren an sich umgehen kann oder nicht. Besonders wichtig sind daher genaue Schülerbeobachtungen, individuelle Aufgabenstellungen, regelmäßige Einzelförderung und häufige Teamgespräche über den jeweiligen Schüler. Wie auch bei den Kindern mit Förderbedarf Lernen werden 2-mal im Schuljahr Förderpläne geschrieben. Diese beschreiben den nächsten wichtigen Lernschritt für den Schüler und Möglichkeiten diesen zu erreichen. Förderpläne orientieren sich, wie bereits beschrieben, an den aktuellen Besonderheiten der Schüler und können sowohl fachliche Bereiche als auch Bereiche wie Motorik, Sprache, Wahrnehmung, Kommunikation oder auch das Arbeits- und Sozialverhalten betreffen.
Noten erhalten Kinder mit diesem Unterstützungsschwerpunkt während ihrer gesamten Schullaufbahn nicht. Da diese immer einen Bezugspunkte zu einer Vergleichsgruppe bedürfen und den sicheren Umgang eines Schülers mit verschiedenen Bewertungsinstrumenten wie Klassenarbeiten voraussetzen. Beides ist im Unterstützungsschwerpunkt geistige Entwicklung nur sehr vereinzelt gegeben. Stattdessen erhalten die Schüler schriftliche Zeugnisse die den jeweiligen individuellen Entwicklungsstand und die Fortschritte im jeweiligen Jahr dokumentieren.
Das Arbeits- und Sozialverhalten wird, wie bei Schülern mit Unterstützungsschwerpunkt Lernen, auf einem zusätzlichen Bögen festgehalten. Aber auch hier ist entscheidend, dass die Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens an den Möglichkeiten des einzelnen Schülers ausgerichtet ist und sich nicht an der Altersgruppe oder Klasse orientiert.

4.7 Beispiele aus dem Alltag

Integration in Klasse 1 2012/13

Die derzeitige erste Klasse wird an drei Tagen von einem Sonderpädagogen unterstützt. An den anderen beiden Tagen hilft eine Integrationshilfe.
Von Beginn an war es das Ziel, die Integrationskinder möglichst komplett im gemeinsamen Unterricht dabei zu haben. Durch viele Differenzierungsmöglichkeiten, die auch den anderen Kindern zu Gute kommen, ist dies bisher gelungen. Die Klasse ist zu einer guten Gemeinschaft zusammen gewachsen, spielt und lernt gerne miteinander.
Jetzt nach den Osterferien arbeiten alle Schüler schon sehr selbstständig an unterschiedlichsten Materialien, so dass die Integrationskinder in Deutsch und Mathematik ihre Fördermaterialien benutzen, die vor allem der Wiederholung und Vertiefung des bisher Gelernten dienen. Nach wie vor nehmen sie an allen gemeinsamen Gesprächen teil und bringen dort ihr Wissen und ihre Erfahrungen ein.
Verwendet werden je nach Thema reale Gegenstände, Abbildungen, Modelle usw. die zu den jeweiligen Themen passen. Verschiedene Hilfsmittel wie, besondere Scheren, dickere Stifte, Rechenketten, Zahlenstrahle, Zehner- bzw.- Zwanziger Schiffchen, Würfel und vieles mehr sind notwendig. Auch Bewegungseinheiten werden immer wieder in den Unterricht eingebaut. Für Schüler mit Förderbedarf gibt es zudem spezielle Lehrbücher für den Deutsch- und Mathematikunterricht wie oben genannt.

5 Anträge und Abstimmungen

Laut Gesamtkonferenzbeschluss vom 16.1.2012 ist für das Schuljahr 2012/2013 eine Integrationsklasse für das 1. Schuljahr beantragt. Die kommende 1. Klasse ist eine kleine Lerngruppe, mit voraussichtlich 12 Schulkindern und 1-2 Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf. Die Zustimmung des Schulträgers liegt vor.
Der Antrag auf Integration wird in Absprache mit der Landesschulbehörde gestellt, sobald ein Kind mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Bereich geistiger Behinderung beschult werden soll.
Kinder mit Unterstützungsbedarf im Bereich Lernen werden durch das Regionale Integrationkonzept (RIK) mit Stunden über die Grundversorgung bedient (s.o.).
Stand: 03.02.2012
Genehmigung der Landesschulbehörde liegt vor.
Stand 07.2012

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